Es mangelt der Welt nicht an
Unmutsbekenntnissen. In allen Teilen der Welt ist die Stimme der Kritik im
Protest zu vernehmen. Täglich erheben sich hunderttausende Menschen rund um die
Erde, an verschiedenen Orten, mit unterschiedlicher Perspektive, in
verschiedenen Fraktionen, Gemeinschaften und Interessen. Allen gemein ist nur
das eine, ihre proletarische Stellung in der modernen Klassengesellschaft. Als ökonomisch
Abhängige und politisch Machtlose bleibt ihnen das Versprechen von ökonomischer
Unabhängigkeit und freier wie gleicher politischer Macht verwehrt.
Geschlechter kämpfen um ihr
Recht, Völker kämpfen um ihr Recht, Arme und Entrechtete, Zurückgelassene und
Vergessene. Doch jeder kämpft in seinem eigenen Leid, seiner eigenen
Erniedrigung.
Bis jetzt hält der bleierne Bann
der Ideologie die Machtlosen und Armen in der Logik ihrer eigenen Machtlosigkeit
und Armut gefangen. Noch betteln die Bedürftigen um Almosen, zahlt der Bewohner
seine Miete, bestimmt die Lohnarbeit die Werktätigen und bleibt die eigene Identität
an Geschlecht und Volk gebunden.
Erst wenn all die Bettler,
Bewohner, Werktätigen und Identitäten ihren wahrhaftigen, ihren materiellen
Mangel erkennen, löst sich ihr eigener ideologischer Schleier. Erst mit dem
Bewusstsein des allen gemeinsamen proletarischen Mangels, wird aus Protest die
Revolution. Erst wo die Bettler, Bewohner, Werktätigen und Identitäten alle
gemeinsam als proletarische Klasse ihr individuelles Leid vortragen, wird es
gehör finden.
In diesem Sinne kann erste
Forderung jedes Protests nur sein: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“.
Der Charakter des Protests
wandelt sich nur unter dieser Losung zur Revolution. Erst wo nicht mehr die Päpste
und Kalifen, Könige und Kaiser, Regierungen und Herrscher im Protest
angesprochen werden, wird aus Protest die Revolution. Nur die Absprache unter
den freie vereinigten Machtlosen und Armen als selbstbewusstes Proletariat ist
revolutionär, nicht das vortragen und anprangern der Missstände an die Regierenden
und Herrschenden. Die Übernahme und Abschaffung der Herrschaft durch das
Proletariat selbst, ist das Wesen der Revolution.
Die proletarische Vereinigung ist
frei und kommunistisch, da alle Proletarier ihrem Wesen nach frei von
gesellschaftlicher Macht und frei von gesellschaftlichen Reichtümern sind.
Demokratisch ist diese Vereinigung
nicht im bürgerlichen Sinne der freien Auswahl. Sie ist es im einzige wahren
Sinn der Demokratie, als Herrschaft aller. Wahrlich demokratische Macht heb die
Macht der Wenigen über die Vielen auf.
Kommunistisch ist diese Vereinigung,
weil die gesellschaftlichen Reichtümer nicht als unmittelbar unternehmerisches
Eigentum aneignet werden, sondern der individuelle Zugriff auf diese in neuer
Weise geregelt wird. Jedem steht ein Anrecht auf Teilhabe am gesellschaftlichen
Reichtum zu aber niemandem allein gehört dieser gesellschaftliche Reichtum.
Die Revolution ist der Prozess
der Vereinigung der proletarischen Klasse zum Subjekt der Geschichte. Das je individuelle
Interesse jedes einzelnen Proletariers lässt sich nur in der gemeinsamen
Vereinigung mit allen anderen Proletariern durchsetzen. Die Interessen der
Freiheits- und Emanzipationsbewegungen lassen sich nur mittels gegenseitiger
Vereinigung unter dem Banner der Machtlosen und Armen führen. Die
Klassenorganisation ist das Mittel aller Beherrschten ihre Beherrschung zu
durchbrechen. Die Abschaffung der Klassenherrschaft, der Herrschaft von Staat
und Kapital, ist Bedingung der Abschaffung aller Herrschaft, Gewalt und
Zerstörung.
In der Abschaffung materieller
Not und politischer Entrechtung liegt die Grundlage aller Kämpfe um Freiheit
und Reichtum. Kämpfen wir gemeinsam um unser aller politischer Macht und
ökonomischer Unabhängigkeit, kämpfen wir jeder für uns um die je individuelle
Freiheit. Oder richten wir eine Welt ein, in der „die freie Entfaltung des
Einzelnen die Bedingung der freien Entfaltung aller ist“.